Wesermarsch. Die FDP tritt nach eigener Auskunft in allen vier Wahlbereichen zur Kreistagswahl an. Darüber hinaus nennt der Kreisverband vollständige Listen für Butjadingen, Nordenham, Stadland, Brake, Ovelgönne, Jade, Elsfleth und Lemwerder sowie für den Ortsrat Abbehausen.
Die Angaben zu Organisation, Mitgliederzahl, Kandidaturen und politischen Positionen beruhen auf der schriftlich ergänzten Antwort des Kreisvorsitzenden Michael Sanders sowie dem übersandten Wahlflyer. Parteiaussagen und redaktionelle Einordnung werden im Folgenden getrennt dargestellt.
Kreisverband mit fünf Orts- und Stadtverbänden
Der FDP-Kreisverband Wesermarsch besteht nach Angaben von Sanders aus dem Kreisverband und fünf nachgeordneten Orts- beziehungsweise Stadtverbänden. Die Bereiche Stadland, Jade, Ovelgönne und Berne werden unmittelbar vom Kreisvorstand vertreten. Ansprechpartner für Presseanfragen ist der Kreisvorsitzende Michael Sanders.
Dem Vorstand gehören Michael Sanders als Kreisvorsitzender, Horst Kortlang als stellvertretender Vorsitzender, Claudia Sanders als Schatzmeisterin, Sebastian Rotter als Schriftführer sowie Rolf Ahlers und Jörg Thielen als Beisitzer an.
Der Kreisverband zählt nach eigener Auskunft derzeit 82 Mitglieder. Die Mitgliederzahl sei seit der Kommunalwahl 2021 in etwa gleich geblieben. Eine unabhängige oder amtliche Bestätigung dieser internen Mitgliederangabe liegt nicht vor.
13 Bewerber für den Kreistag
Die FDP hat der Redaktion folgende Kreistagsbewerber mit Listenplätzen und Wahlbereichen genannt:
| Wahlbereich | Listenplatz | Name |
|---|---|---|
| I | 1 | Rolf Ahlers |
| I | 2 | Manfred Neumann |
| I | 3 | Hergen Kalitzki |
| I | 4 | Phil Schaffarzyk |
| II | 1 | Michael Sanders |
| III | 1 | Gustav Hellmers |
| III | 2 | Gerold Hauerken |
| III | 3 | Elias Holthusen |
| III | 4 | Dirk Freels |
| III | 5 | Arno de Wyl |
| IV | 1 | Horst Kortlang |
| IV | 2 | Reinhold Rotter |
| IV | 3 | Sebastian Rotter |
Berufe, Wohnorte und weitere amtliche Angaben zu den Kreistagsbewerbern wurden in der Antwort nicht mitgeteilt. Nach Aussage von Sanders sind alle eingereichten Wahlvorschläge zugelassen.
Kommunale Listen in acht Städten und Gemeinden
Zusätzlich hat die FDP ihre Kandidatenlisten für acht Städte und Gemeinden sowie den Ortsrat Abbehausen übermittelt:
| Vertretung | Listenplatz | Name |
|---|---|---|
| Butjadingen | 1 | Frank Evers |
| Butjadingen | 2 | Holger Stendel |
| Nordenham | 1 | Hergen Kalitzki |
| Nordenham | 2 | Rolf Ahlers |
| Nordenham | 3 | Larissa Fink |
| Nordenham | 4 | Manfred Neumann |
| Nordenham | 5 | Tanja Lischewski |
| Nordenham | 6 | Phil Schaffarzyk |
| Nordenham | 7 | Ralf von Häfen |
| Nordenham | 8 | Ian Lotz |
| Ortsrat Abbehausen | 1 | Larissa Fink |
| Ortsrat Abbehausen | 2 | Ralf von Häfen |
| Ortsrat Abbehausen | 3 | Phil Schaffarzyk |
| Stadland | 1 | Michael Sanders |
| Brake | 1 | Elias Holthusen |
| Brake | 2 | Dirk Freels |
| Brake | 3 | Gustav Hellmers |
| Brake | 4 | Arno de Wyl |
| Ovelgönne | 1 | Gerold Hauerken |
| Jade | 1 | Carsten Severin |
| Elsfleth | 1 | Horst Kortlang |
| Elsfleth | 2 | Frank Lösekann |
| Elsfleth | 3 | Reinhold Rotter |
| Elsfleth | 4 | Sebastian Rotter |
| Elsfleth | 5 | Jörg Thielen |
| Lemwerder | 1 | Harald Schöne |
| Lemwerder | 2 | Jörg Bade |
| Lemwerder | 3 | Thorben Schöne |
| Lemwerder | 4 | Benedict Tamminga |
| Lemwerder | 5 | Michael Blum |
| Lemwerder | 6 | Dieter Schach |
| Lemwerder | 7 | Dr. Martin Deter |
Unterstützung für Landrat Stephan Siefken
Für die Landratswahl unterstützt die FDP nach eigener Auskunft den amtierenden Landrat Stephan Siefken. Zu eigenen oder unterstützten Bürgermeisterkandidaten verweist der Kreisvorsitzende auf die jeweiligen Ortsverbände; eine kreisweite Übersicht wurde nicht mitgeteilt.
Fünf Prioritäten für die kommende Wahlperiode
Als vorrangige Ziele nennt die FDP eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung, die Stärkung schulischer und außerschulischer Bildungsangebote, einen wirtschaftlich starken Landkreis mit umweltfreundlichen Technologien, eine gemeinsame Tourismusstrategie sowie bürgernahe Verwaltungen mit weniger Bürokratie.
Kooperationen und erfolgreiche Modelle zur Stärkung der Landärzte sollen ausgebaut werden.
Schulen und außerschulische Angebote sollen erhalten und als lebenslange Bildung weiterentwickelt werden.
Der Wirtschaftsstandort soll unter Einbeziehung umweltfreundlicher Technologien gestärkt werden.
Kommunale Stärken sollen gebündelt, Bürokratie abgebaut und Verwaltungen bürgernäher organisiert werden.
Klinikstandorte und medizinische Versorgung
Die FDP erklärt, sie habe bereits vor den Veränderungen am Klinikstandort Brake das Ziel verfolgt, Brake und Nordenham als Gesundheitszentren zu erhalten. Art und Umfang der künftigen Angebote müssten nun gemeinsam und ohne Denkverbote festgelegt werden. Für einen Flächenlandkreis sei ein einziger Standort aus Sicht der Partei nicht ausreichend.
Als erste Initiative nach der Wahl kündigt die FDP ein Flächenkonzept für die gesundheitliche Versorgung an. Es soll die Versorgung vom Hausarzt über Fachärzte bis zur Notfallmedizin abbilden.
Finanzen, Schulen und Kindertagesstätten
Bei der finanziellen Lage kritisiert die FDP, dass Bund und Land Aufgaben auf die kommunale Ebene verlagerten, ohne die entstehenden Kosten vollständig auszugleichen. Förder- und Hilfspakete müssten aus ihrer Sicht in vollem Umfang bei den Kommunen ankommen.
Den Ausbau von Kindertagesstätten und die Ganztagsbetreuung an Schulen bezeichnet die Partei als Kern kommunaler Arbeit. Landkreis und Kommunen müssten die Lasten gemeinsam tragen. Die FDP spricht sich für den Erhalt aller bisherigen Schulformen aus und hebt dabei ausdrücklich die Förderschulen hervor.
Nach der Wahl will die FDP die Richtlinien für die Bereitstellung von Kita-Plätzen und die Ganztagsversorgung an Schulen überprüfen. Dabei soll geklärt werden, ob die finanzielle und organisatorische Last aus ihrer Sicht gerecht verteilt ist.
Verkehr, Radwege und Verbindungen zu den Oberzentren
Die FDP sieht einen erheblichen Sanierungsbedarf im großen Straßennetz des Landkreises. Ohne zusätzliche Unterstützung von Bund und Land sei der Rückstand voraussichtlich nicht aufzuholen. Bestehende Angebote im öffentlichen Nahverkehr sollen erhalten und auf dem Land nach Möglichkeit ausgebaut werden.
Als besonders wichtig bezeichnet die Partei die Verbindungen nach Oldenburg, Bremen und Bremerhaven. Auch beim Radwegenetz sieht sie Nachholbedarf und verweist auf dessen Bedeutung für Alltag und Tourismus.
Wirtschaft, Häfen und Arbeitsplätze
Die FDP setzt auf interkommunale Gewerbegebiete und fordert, nach den organisatorischen Vorarbeiten zügig in die Umsetzung zu kommen. Der Braker Hafen, die Freizeithäfen entlang der Weser und die Industriestandorte sollen gemeinsam betrachtet und gestärkt werden.
Eine Weservertiefung „im alten Stil“ lehnt die Partei nach ihrer ergänzten Antwort ab. Arbeitsplätze seien die Grundlage für Einwohnerentwicklung und wirtschaftliches Wachstum. Darüber hinaus unterstützt die FDP weiterhin die A20 und fordert beschleunigte Verfahren.
Windenergie, Deiche und Hochwasserschutz
Küsten- und Hochwasserschutz bezeichnet die FDP als Lebensversicherung der Wesermarsch. Der Deichausbau müsse vorangetrieben werden; zugleich seien langfristige Lösungen angesichts steigender Meeresspiegel zu entwickeln. Ein mögliches Wesersperrwerk solle gemeinsam mit benachbarten Landkreisen diskutiert werden.
Nach Ansicht der FDP hat die Wesermarsch bei Wind- und Solarenergie ihre gesetzlichen Aufgaben erfüllt und Vorgaben übererfüllt. Weitere Anlagen sollten nur noch dort entstehen, wo die Belastung der Bevölkerung aus Sicht der Partei vertretbar ist.
Unterbringung und Integration
Die Wesermarsch müsse ihre gesetzlichen Verpflichtungen bei der Unterbringung erfüllen, erklärt die FDP. Sprache und Arbeit seien zentrale Voraussetzungen für Integration. Zugleich formuliert sie eine harte Grenze gegenüber Menschen, die Integration ablehnten oder mit dem Gesetz in Konflikt kämen. Diese Aussage wird hier als Position der Partei wiedergegeben.
Erste Initiativen und Investitionsprioritäten
Neben dem Gesundheitskonzept und der Überprüfung von Kita- und Ganztagsrichtlinien will die FDP Infrastrukturmaßnahmen priorisieren. Steuergeld solle nach Wichtigkeit und nicht nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden. Zu ersten Anträgen in den Städten und Gemeinden sollen sich nach ihrer Darstellung die jeweiligen Kandidaten äußern.
Bei knappen Mitteln nennt die Partei Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten an erster Stelle, gefolgt vom Erhalt bestehender Strukturen und des Wegenetzes. Nicht gespart werden solle nach ihrer Aussage bei der Versorgung von Kindern und Senioren, etwa bei Ganztagsbetreuung, Schulverpflegung, Förderbedarf, Seniorencafés, Nahverkehr und wohnortnaher hausärztlicher Versorgung.
Zusammenarbeit und Kandidatenauswahl
Die FDP erklärt sich zur Zusammenarbeit mit demokratischen Parteien und Wählergemeinschaften bereit. Entscheidend sei die Sache, nicht die Farbe des Parteibuchs; wechselnde Mehrheiten hätten in Kommunen bereits zu guten Beschlüssen geführt.
Eine systematische Prüfung öffentlich zugänglicher Social-Media-Kanäle der Kandidaten habe der Kreisverband nicht vorgenommen. Sanders begründet dies mit dem freiheitlich-liberalen Selbstverständnis und damit, dass die Bewerber persönlich bekannt seien. Redaktionell bleibt festzuhalten, dass eine persönliche Bekanntschaft eine strukturierte Prüfung öffentlich dokumentierter Aussagen nicht ersetzt.
„Hier leben, hier arbeiten, hier bleiben“ lautet eine zentrale Botschaft des Wahlflyers. Die ergänzte Antwort verbindet diesen Anspruch mit konkreten Aussagen zu Versorgung, Bildung, Wirtschaft, Verkehr, Küstenschutz und Verwaltung.
Zusammenfassung der FDP-Antwort und des WahlflyersWas noch offen bleibt
Eine kreisweite Übersicht zu eigenen oder unterstützten Bürgermeisterkandidaten wurde nicht übermittelt. Das gemeinsame Foto der Kreistagskandidaten steht nach Angaben von Sanders noch aus; für vorhandene Aufnahmen der Ortsverbände liegt der Redaktion keine zusammengefasste honorarfreie Nutzungsfreigabe vor.
Die vollständige Zulassung sämtlicher kommunaler Wahlvorschläge wird im Beitrag weiterhin als Angabe der FDP gekennzeichnet. Verbindlich sind die amtlichen Bekanntmachungen der zuständigen Wahlleitungen.
Fazit der Redaktion
Mit der ergänzten Antwort liefert die FDP Wesermarsch nun eine umfangreiche Grundlage für den Vergleich: 13 Kreistagsbewerber, vollständige kommunale Listen, fünf Prioritäten, konkrete Sachpositionen und mehrere angekündigte Initiativen.
Inhaltlich verbindet die Partei den Erhalt bestehender Angebote mit neuen Investitionen und einer stärkeren Priorisierung. Belastbar beantwortet ist damit, welche Bereiche aus FDP-Sicht Vorrang haben. Offen bleibt bei mehreren Vorhaben weiterhin, welche konkreten Kosten entstehen, welche Finanzierung gesichert ist und welche Projekte bei Zielkonflikten zurückgestellt würden.