Stand der Angaben: Die FDP Wesermarsch hat ihre zunächst unvollständige Antwort am 3. August ergänzt. Der Redaktion liegen nun die Kreistagsliste, die kommunalen Listen, politische Positionen und erste geplante Initiativen vor. Nach Angaben des Kreisvorsitzenden Michael Sanders wurden alle eingereichten Wahlvorschläge zugelassen. Diese Aussage wird als Parteiauskunft wiedergegeben, solange keine vollständige amtliche Zusammenstellung aller kommunalen Zulassungen vorliegt.

Wesermarsch. Die FDP tritt nach eigener Auskunft in allen vier Wahlbereichen zur Kreistagswahl an. Darüber hinaus nennt der Kreisverband vollständige Listen für Butjadingen, Nordenham, Stadland, Brake, Ovelgönne, Jade, Elsfleth und Lemwerder sowie für den Ortsrat Abbehausen.

Die Angaben zu Organisation, Mitgliederzahl, Kandidaturen und politischen Positionen beruhen auf der schriftlich ergänzten Antwort des Kreisvorsitzenden Michael Sanders sowie dem übersandten Wahlflyer. Parteiaussagen und redaktionelle Einordnung werden im Folgenden getrennt dargestellt.

Kreisverband mit fünf Orts- und Stadtverbänden

Der FDP-Kreisverband Wesermarsch besteht nach Angaben von Sanders aus dem Kreisverband und fünf nachgeordneten Orts- beziehungsweise Stadtverbänden. Die Bereiche Stadland, Jade, Ovelgönne und Berne werden unmittelbar vom Kreisvorstand vertreten. Ansprechpartner für Presseanfragen ist der Kreisvorsitzende Michael Sanders.

Dem Vorstand gehören Michael Sanders als Kreisvorsitzender, Horst Kortlang als stellvertretender Vorsitzender, Claudia Sanders als Schatzmeisterin, Sebastian Rotter als Schriftführer sowie Rolf Ahlers und Jörg Thielen als Beisitzer an.

Der Kreisverband zählt nach eigener Auskunft derzeit 82 Mitglieder. Die Mitgliederzahl sei seit der Kommunalwahl 2021 in etwa gleich geblieben. Eine unabhängige oder amtliche Bestätigung dieser internen Mitgliederangabe liegt nicht vor.

13 Bewerber für den Kreistag

Die FDP hat der Redaktion folgende Kreistagsbewerber mit Listenplätzen und Wahlbereichen genannt:

WahlbereichListenplatzName
I1Rolf Ahlers
I2Manfred Neumann
I3Hergen Kalitzki
I4Phil Schaffarzyk
II1Michael Sanders
III1Gustav Hellmers
III2Gerold Hauerken
III3Elias Holthusen
III4Dirk Freels
III5Arno de Wyl
IV1Horst Kortlang
IV2Reinhold Rotter
IV3Sebastian Rotter

Berufe, Wohnorte und weitere amtliche Angaben zu den Kreistagsbewerbern wurden in der Antwort nicht mitgeteilt. Nach Aussage von Sanders sind alle eingereichten Wahlvorschläge zugelassen.

Kommunale Listen in acht Städten und Gemeinden

Zusätzlich hat die FDP ihre Kandidatenlisten für acht Städte und Gemeinden sowie den Ortsrat Abbehausen übermittelt:

VertretungListenplatzName
Butjadingen1Frank Evers
Butjadingen2Holger Stendel
Nordenham1Hergen Kalitzki
Nordenham2Rolf Ahlers
Nordenham3Larissa Fink
Nordenham4Manfred Neumann
Nordenham5Tanja Lischewski
Nordenham6Phil Schaffarzyk
Nordenham7Ralf von Häfen
Nordenham8Ian Lotz
Ortsrat Abbehausen1Larissa Fink
Ortsrat Abbehausen2Ralf von Häfen
Ortsrat Abbehausen3Phil Schaffarzyk
Stadland1Michael Sanders
Brake1Elias Holthusen
Brake2Dirk Freels
Brake3Gustav Hellmers
Brake4Arno de Wyl
Ovelgönne1Gerold Hauerken
Jade1Carsten Severin
Elsfleth1Horst Kortlang
Elsfleth2Frank Lösekann
Elsfleth3Reinhold Rotter
Elsfleth4Sebastian Rotter
Elsfleth5Jörg Thielen
Lemwerder1Harald Schöne
Lemwerder2Jörg Bade
Lemwerder3Thorben Schöne
Lemwerder4Benedict Tamminga
Lemwerder5Michael Blum
Lemwerder6Dieter Schach
Lemwerder7Dr. Martin Deter

Unterstützung für Landrat Stephan Siefken

Für die Landratswahl unterstützt die FDP nach eigener Auskunft den amtierenden Landrat Stephan Siefken. Zu eigenen oder unterstützten Bürgermeisterkandidaten verweist der Kreisvorsitzende auf die jeweiligen Ortsverbände; eine kreisweite Übersicht wurde nicht mitgeteilt.

Fünf Prioritäten für die kommende Wahlperiode

Als vorrangige Ziele nennt die FDP eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung, die Stärkung schulischer und außerschulischer Bildungsangebote, einen wirtschaftlich starken Landkreis mit umweltfreundlichen Technologien, eine gemeinsame Tourismusstrategie sowie bürgernahe Verwaltungen mit weniger Bürokratie.

Gesundheit

Kooperationen und erfolgreiche Modelle zur Stärkung der Landärzte sollen ausgebaut werden.

Bildung

Schulen und außerschulische Angebote sollen erhalten und als lebenslange Bildung weiterentwickelt werden.

Wirtschaft

Der Wirtschaftsstandort soll unter Einbeziehung umweltfreundlicher Technologien gestärkt werden.

Tourismus und Verwaltung

Kommunale Stärken sollen gebündelt, Bürokratie abgebaut und Verwaltungen bürgernäher organisiert werden.

Klinikstandorte und medizinische Versorgung

Die FDP erklärt, sie habe bereits vor den Veränderungen am Klinikstandort Brake das Ziel verfolgt, Brake und Nordenham als Gesundheitszentren zu erhalten. Art und Umfang der künftigen Angebote müssten nun gemeinsam und ohne Denkverbote festgelegt werden. Für einen Flächenlandkreis sei ein einziger Standort aus Sicht der Partei nicht ausreichend.

Als erste Initiative nach der Wahl kündigt die FDP ein Flächenkonzept für die gesundheitliche Versorgung an. Es soll die Versorgung vom Hausarzt über Fachärzte bis zur Notfallmedizin abbilden.

Finanzen, Schulen und Kindertagesstätten

Bei der finanziellen Lage kritisiert die FDP, dass Bund und Land Aufgaben auf die kommunale Ebene verlagerten, ohne die entstehenden Kosten vollständig auszugleichen. Förder- und Hilfspakete müssten aus ihrer Sicht in vollem Umfang bei den Kommunen ankommen.

Den Ausbau von Kindertagesstätten und die Ganztagsbetreuung an Schulen bezeichnet die Partei als Kern kommunaler Arbeit. Landkreis und Kommunen müssten die Lasten gemeinsam tragen. Die FDP spricht sich für den Erhalt aller bisherigen Schulformen aus und hebt dabei ausdrücklich die Förderschulen hervor.

Nach der Wahl will die FDP die Richtlinien für die Bereitstellung von Kita-Plätzen und die Ganztagsversorgung an Schulen überprüfen. Dabei soll geklärt werden, ob die finanzielle und organisatorische Last aus ihrer Sicht gerecht verteilt ist.

Verkehr, Radwege und Verbindungen zu den Oberzentren

Die FDP sieht einen erheblichen Sanierungsbedarf im großen Straßennetz des Landkreises. Ohne zusätzliche Unterstützung von Bund und Land sei der Rückstand voraussichtlich nicht aufzuholen. Bestehende Angebote im öffentlichen Nahverkehr sollen erhalten und auf dem Land nach Möglichkeit ausgebaut werden.

Als besonders wichtig bezeichnet die Partei die Verbindungen nach Oldenburg, Bremen und Bremerhaven. Auch beim Radwegenetz sieht sie Nachholbedarf und verweist auf dessen Bedeutung für Alltag und Tourismus.

Wirtschaft, Häfen und Arbeitsplätze

Die FDP setzt auf interkommunale Gewerbegebiete und fordert, nach den organisatorischen Vorarbeiten zügig in die Umsetzung zu kommen. Der Braker Hafen, die Freizeithäfen entlang der Weser und die Industriestandorte sollen gemeinsam betrachtet und gestärkt werden.

Eine Weservertiefung „im alten Stil“ lehnt die Partei nach ihrer ergänzten Antwort ab. Arbeitsplätze seien die Grundlage für Einwohnerentwicklung und wirtschaftliches Wachstum. Darüber hinaus unterstützt die FDP weiterhin die A20 und fordert beschleunigte Verfahren.

Windenergie, Deiche und Hochwasserschutz

Küsten- und Hochwasserschutz bezeichnet die FDP als Lebensversicherung der Wesermarsch. Der Deichausbau müsse vorangetrieben werden; zugleich seien langfristige Lösungen angesichts steigender Meeresspiegel zu entwickeln. Ein mögliches Wesersperrwerk solle gemeinsam mit benachbarten Landkreisen diskutiert werden.

Nach Ansicht der FDP hat die Wesermarsch bei Wind- und Solarenergie ihre gesetzlichen Aufgaben erfüllt und Vorgaben übererfüllt. Weitere Anlagen sollten nur noch dort entstehen, wo die Belastung der Bevölkerung aus Sicht der Partei vertretbar ist.

Unterbringung und Integration

Die Wesermarsch müsse ihre gesetzlichen Verpflichtungen bei der Unterbringung erfüllen, erklärt die FDP. Sprache und Arbeit seien zentrale Voraussetzungen für Integration. Zugleich formuliert sie eine harte Grenze gegenüber Menschen, die Integration ablehnten oder mit dem Gesetz in Konflikt kämen. Diese Aussage wird hier als Position der Partei wiedergegeben.

Erste Initiativen und Investitionsprioritäten

Neben dem Gesundheitskonzept und der Überprüfung von Kita- und Ganztagsrichtlinien will die FDP Infrastrukturmaßnahmen priorisieren. Steuergeld solle nach Wichtigkeit und nicht nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden. Zu ersten Anträgen in den Städten und Gemeinden sollen sich nach ihrer Darstellung die jeweiligen Kandidaten äußern.

Bei knappen Mitteln nennt die Partei Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten an erster Stelle, gefolgt vom Erhalt bestehender Strukturen und des Wegenetzes. Nicht gespart werden solle nach ihrer Aussage bei der Versorgung von Kindern und Senioren, etwa bei Ganztagsbetreuung, Schulverpflegung, Förderbedarf, Seniorencafés, Nahverkehr und wohnortnaher hausärztlicher Versorgung.

Zusammenarbeit und Kandidatenauswahl

Die FDP erklärt sich zur Zusammenarbeit mit demokratischen Parteien und Wählergemeinschaften bereit. Entscheidend sei die Sache, nicht die Farbe des Parteibuchs; wechselnde Mehrheiten hätten in Kommunen bereits zu guten Beschlüssen geführt.

Eine systematische Prüfung öffentlich zugänglicher Social-Media-Kanäle der Kandidaten habe der Kreisverband nicht vorgenommen. Sanders begründet dies mit dem freiheitlich-liberalen Selbstverständnis und damit, dass die Bewerber persönlich bekannt seien. Redaktionell bleibt festzuhalten, dass eine persönliche Bekanntschaft eine strukturierte Prüfung öffentlich dokumentierter Aussagen nicht ersetzt.

„Hier leben, hier arbeiten, hier bleiben“ lautet eine zentrale Botschaft des Wahlflyers. Die ergänzte Antwort verbindet diesen Anspruch mit konkreten Aussagen zu Versorgung, Bildung, Wirtschaft, Verkehr, Küstenschutz und Verwaltung.

Zusammenfassung der FDP-Antwort und des Wahlflyers

Was noch offen bleibt

Eine kreisweite Übersicht zu eigenen oder unterstützten Bürgermeisterkandidaten wurde nicht übermittelt. Das gemeinsame Foto der Kreistagskandidaten steht nach Angaben von Sanders noch aus; für vorhandene Aufnahmen der Ortsverbände liegt der Redaktion keine zusammengefasste honorarfreie Nutzungsfreigabe vor.

Die vollständige Zulassung sämtlicher kommunaler Wahlvorschläge wird im Beitrag weiterhin als Angabe der FDP gekennzeichnet. Verbindlich sind die amtlichen Bekanntmachungen der zuständigen Wahlleitungen.

Fazit der Redaktion

Mit der ergänzten Antwort liefert die FDP Wesermarsch nun eine umfangreiche Grundlage für den Vergleich: 13 Kreistagsbewerber, vollständige kommunale Listen, fünf Prioritäten, konkrete Sachpositionen und mehrere angekündigte Initiativen.

Inhaltlich verbindet die Partei den Erhalt bestehender Angebote mit neuen Investitionen und einer stärkeren Priorisierung. Belastbar beantwortet ist damit, welche Bereiche aus FDP-Sicht Vorrang haben. Offen bleibt bei mehreren Vorhaben weiterhin, welche konkreten Kosten entstehen, welche Finanzierung gesichert ist und welche Projekte bei Zielkonflikten zurückgestellt würden.