Wesermarsch. Die AfD tritt bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 mit Kandidaten für den Kreistag sowie für mehrere Stadt- und Gemeinderäte an. Der Ortsverband hat der Braker Zeitung seine Kandidatenlisten, politische Schwerpunkte und Antworten auf einen ausführlichen Fragenkatalog übermittelt.
Die Angaben zur Kreistagsliste sind nach der Entscheidung des Kreiswahlausschusses amtlich bestätigt. Mitgliederzahlen, interne Abläufe und politische Positionen beruhen weiterhin auf den Unterlagen und schriftlichen Antworten des AfD-Ortsverbandes Wesermarsch.
Ortsverband gehört zum Kreisverband Ems-Vechte
Die regionale Parteiorganisation bezeichnet sich als „Ortsverband Wesermarsch“ und ist nach eigener Darstellung dem AfD-Kreisverband Ems-Vechte angeschlossen. Holger Brockmann führt den Ortsverband als Vorsitzender, Gerhard Stadtsholte als Stellvertreter. Turnusmäßige Vorstandswahlen sollen im Herbst stattfinden.
Bei der Neuorganisation im Herbst 2024 habe der Verband 61 Mitglieder gezählt. Aktuell seien es 168. Diese Mitgliederzahlen stammen ausschließlich aus der Selbstauskunft des Ortsverbandes und sind nicht amtlich bestätigt.
Acht Bewerber vollständig zugelassen
Der Kreiswahlausschuss hat alle acht eingereichten Bewerber in der amtlichen Reihenfolge zugelassen. Der Wahlvorschlag führt formal die Bezeichnung „Alternative für Deutschland – Niedersachsen (AfD Niedersachsen)“.
| Wahlbereich | Listenplatz | Name | Beruf | Wohnort |
|---|---|---|---|---|
| I | 1 | Andreas Marienfeld | Dipl.-Ing. | Nordenham |
| II | 1 | Gerhard Stadtsholte | Straßenbaumeister | Jade |
| II | 2 | Tordis Voskamp | Grafikdesignerin | Butjadingen |
| III | 1 | Carsten Arndt | Hafenlogistiker | Ovelgönne |
| III | 2 | Anja Duhm | Servicekraft im Gastgewerbe | Brake (Unterweser) |
| IV | 1 | Günther Schweden | Rentner | Elsfleth |
| IV | 2 | Stefan Hassels | Busfahrer | Elsfleth |
| IV | 3 | Jana Levin | Referentin für Politik | Lemwerder |
Elf Kandidaten für Stadt- und Gemeinderäte
Auf kommunaler Ebene tritt die AfD nach ihren Unterlagen in Brake, Butjadingen, Elsfleth, Jade, Lemwerder, Nordenham und Ovelgönne an. Für Berne und Stadland enthält die übermittelte Aufstellung keine Bewerber.
| Kommune | Listenplatz | Name | Beruf laut Liste | Alter |
|---|---|---|---|---|
| Brake | 1 | David Möglich | Industriekaufmann | 42 |
| Brake | 2 | Anja Duhm | Servicekraft Gastgewerbe | 57 |
| Butjadingen | 1 | Tordis Voskamp | Grafikdesignerin | 36 |
| Elsfleth | 1 | Stefan Hassels | Berufskraftfahrer | 39 |
| Elsfleth | 2 | Florian Thormählen | Seemann | 39 |
| Jade | 1 | Gerhard Stadtsholte | Straßen- und Tiefbaumeister | 46 |
| Jade | 2 | Thomas Bley | Installateur PV-Anlagen | 56 |
| Lemwerder | 1 | Manuel Bittner | Industriekaufmann | 53 |
| Lemwerder | 2 | Jana Levin | Referentin | 32 |
| Nordenham | 1 | Andreas Marienfeld | Diplom-Ingenieur | 59 |
| Ovelgönne | 1 | Carsten Arndt | Hafenlogistiker | 49 |
Keine Kandidaten für Landratsamt und Bürgermeisterwahlen
Einen eigenen Bewerber für das Landratsamt stellt die AfD Wesermarsch nicht auf. Auch für Bürgermeisterwahlen in den Kommunen wurden nach Angaben des Ortsverbandes keine eigenen Kandidaten benannt. Als Grund nennt Brockmann, es hätten sich keine geeigneten oder interessierten Bewerber gefunden.
Verfassungstreueprüfungen von Bewerbern aus dem Ortsverband seien ihm nicht bekannt. Brockmann führt dies auch darauf zurück, dass die AfD in der Wesermarsch keinen Kandidaten für ein Bürgermeister- oder Landratsamt aufstellt.
Der Ortsverband hält die derzeitige Anwendung der Verfassungstreueprüfung bei kommunalen Direktwahlen für demokratisch und rechtsstaatlich problematisch.
Zusammenfassung der schriftlichen Stellungnahme von Holger BrockmannFünf politische Schwerpunkte
Der Ortsverband fasst seine kommunalpolitische Ausrichtung unter dem eigenen Leitsatz „Daseinsvorsorge statt Ideologie“ zusammen. Als wichtigste Themen nennt er Finanzen, medizinische Versorgung, Schulen und Kindertagesstätten, Verkehrswege und wirtschaftliche Infrastruktur sowie Sicherheit und Bevölkerungsschutz.
Pflichtaufgaben und notwendige Investitionen sollen nach Darstellung der AfD Vorrang vor Prestigeprojekten, Förderprogrammen und externen Beratungsleistungen haben.
Für Brake fordert der Verband eine verlässliche Notfallversorgung, ein starkes Medizinisches Versorgungszentrum und den Erhalt von Fachpersonal.
Genannt werden ausreichende Plätze, intakte Gebäude, verlässliche Betreuung sowie ein stärkerer Fokus auf Sprache, Grundkenntnisse und Berufsorientierung.
Bus- und Bahnverbindungen, Schülerbeförderung sowie die Sanierung von Straßen, Brücken und Wirtschaftswegen sollen priorisiert werden.
Den weiteren Ausbau der Windenergie will die AfD begrenzen. Küsten-, Deich- und Hochwasserschutz sollen hohe Priorität erhalten.
Der Verband fordert die Berücksichtigung kommunaler Kapazitäten und eine vollständige Kostenerstattung durch Bund und Land.
Diese Initiativen kündigt die AfD an
Nach einem Einzug in Kreistag und kommunale Räte will der Ortsverband unter anderem ein Versorgungskonzept für Medizin, Rettungsdienst und Notfallversorgung anstoßen. Hinzu kommen eine Aufgaben- und Ausgabenprüfung, eine Prioritätenliste für sanierungsbedürftige Infrastruktur, regelmäßige Berichte zur Schul- und Betreuungssituation sowie mehr Transparenz über Kosten und Kapazitäten der Flüchtlingsunterbringung.
Ob und in welcher Form diese Vorhaben umgesetzt werden können, hängt von den jeweiligen Zuständigkeiten, Mehrheiten und verfügbaren Haushaltsmitteln ab. Konkrete Finanzierungsansätze oder ausgearbeitete Antragsentwürfe wurden der Redaktion bislang nicht vorgelegt.
Zusammenarbeit nach Sachfragen
Kommunale Zusammenarbeit will die AfD nach eigener Darstellung nicht vom Absender eines Antrags, sondern von dessen Inhalt abhängig machen. Vorschläge anderer Parteien und Wählergruppen müssten rechtmäßig, transparent, finanzierbar und für die Wesermarsch sinnvoll sein.
Öffentlich zugängliche Äußerungen und Social-Media-Beiträge der Bewerber würden im Rahmen der Möglichkeiten des Verbandes geprüft. Nachweislich extremistische, menschenverachtende oder verfassungswidrige Aussagen seien mit einer Kandidatur nicht vereinbar. Zu internen Beratungen und personenbezogenen Auswahlentscheidungen äußert sich der Ortsverband nicht.
Fazit der Redaktion
Die AfD Wesermarsch tritt 2026 mit einer breiteren kommunalen Kandidatenaufstellung an, verzichtet aber vollständig auf eigene Bewerber für das Landratsamt und die Bürgermeisterwahlen. Ihre programmatischen Aussagen konzentrieren sich auf klassische kommunale Themen wie Finanzen, Versorgung und Infrastruktur.
Die vorgelegten Positionen bleiben überwiegend auf der Ebene politischer Zielsetzungen. Belastbare Finanzierungsmodelle, konkrete Beschlussvorlagen und eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Landkreis, Städten und Gemeinden fehlen bislang. Für die Kreistagsliste ist die formale Frage nun entschieden: Alle acht Bewerber sind zugelassen. Entscheidend wird damit, welche konkreten Anträge die AfD nach der Wahl einbringt und wie sie deren Finanzierung begründet.