Update vom 29. Juli 2026: Der Kreiswahlausschuss hat den Wahlvorschlag der Alternative für Deutschland – Niedersachsen am 28. Juli vollständig zur Kreistagswahl zugelassen. Nach Auskunft des Landkreises gab es keine Beanstandungen, Änderungen, Streichungen oder Zurückweisungen. Die amtliche Bekanntmachung soll im Laufe dieser Woche auf der Wahlseite des Landkreises veröffentlicht werden. Der Beschluss betrifft die Kreistagswahl; über Wahlvorschläge zu Stadt- und Gemeinderäten entscheiden die jeweiligen kommunalen Wahlausschüsse gesondert.

Wesermarsch. Die AfD tritt bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 mit Kandidaten für den Kreistag sowie für mehrere Stadt- und Gemeinderäte an. Der Ortsverband hat der Braker Zeitung seine Kandidatenlisten, politische Schwerpunkte und Antworten auf einen ausführlichen Fragenkatalog übermittelt.

Die Angaben zur Kreistagsliste sind nach der Entscheidung des Kreiswahlausschusses amtlich bestätigt. Mitgliederzahlen, interne Abläufe und politische Positionen beruhen weiterhin auf den Unterlagen und schriftlichen Antworten des AfD-Ortsverbandes Wesermarsch.

Ortsverband gehört zum Kreisverband Ems-Vechte

Die regionale Parteiorganisation bezeichnet sich als „Ortsverband Wesermarsch“ und ist nach eigener Darstellung dem AfD-Kreisverband Ems-Vechte angeschlossen. Holger Brockmann führt den Ortsverband als Vorsitzender, Gerhard Stadtsholte als Stellvertreter. Turnusmäßige Vorstandswahlen sollen im Herbst stattfinden.

Bei der Neuorganisation im Herbst 2024 habe der Verband 61 Mitglieder gezählt. Aktuell seien es 168. Diese Mitgliederzahlen stammen ausschließlich aus der Selbstauskunft des Ortsverbandes und sind nicht amtlich bestätigt.

Acht Bewerber vollständig zugelassen

Der Kreiswahlausschuss hat alle acht eingereichten Bewerber in der amtlichen Reihenfolge zugelassen. Der Wahlvorschlag führt formal die Bezeichnung „Alternative für Deutschland – Niedersachsen (AfD Niedersachsen)“.

WahlbereichListenplatzNameBerufWohnort
I1Andreas MarienfeldDipl.-Ing.Nordenham
II1Gerhard StadtsholteStraßenbaumeisterJade
II2Tordis VoskampGrafikdesignerinButjadingen
III1Carsten ArndtHafenlogistikerOvelgönne
III2Anja DuhmServicekraft im GastgewerbeBrake (Unterweser)
IV1Günther SchwedenRentnerElsfleth
IV2Stefan HasselsBusfahrerElsfleth
IV3Jana LevinReferentin für PolitikLemwerder

Elf Kandidaten für Stadt- und Gemeinderäte

Auf kommunaler Ebene tritt die AfD nach ihren Unterlagen in Brake, Butjadingen, Elsfleth, Jade, Lemwerder, Nordenham und Ovelgönne an. Für Berne und Stadland enthält die übermittelte Aufstellung keine Bewerber.

KommuneListenplatzNameBeruf laut ListeAlter
Brake1David MöglichIndustriekaufmann42
Brake2Anja DuhmServicekraft Gastgewerbe57
Butjadingen1Tordis VoskampGrafikdesignerin36
Elsfleth1Stefan HasselsBerufskraftfahrer39
Elsfleth2Florian ThormählenSeemann39
Jade1Gerhard StadtsholteStraßen- und Tiefbaumeister46
Jade2Thomas BleyInstallateur PV-Anlagen56
Lemwerder1Manuel BittnerIndustriekaufmann53
Lemwerder2Jana LevinReferentin32
Nordenham1Andreas MarienfeldDiplom-Ingenieur59
Ovelgönne1Carsten ArndtHafenlogistiker49

Keine Kandidaten für Landratsamt und Bürgermeisterwahlen

Einen eigenen Bewerber für das Landratsamt stellt die AfD Wesermarsch nicht auf. Auch für Bürgermeisterwahlen in den Kommunen wurden nach Angaben des Ortsverbandes keine eigenen Kandidaten benannt. Als Grund nennt Brockmann, es hätten sich keine geeigneten oder interessierten Bewerber gefunden.

Verfassungstreueprüfungen von Bewerbern aus dem Ortsverband seien ihm nicht bekannt. Brockmann führt dies auch darauf zurück, dass die AfD in der Wesermarsch keinen Kandidaten für ein Bürgermeister- oder Landratsamt aufstellt.

Der Ortsverband hält die derzeitige Anwendung der Verfassungstreueprüfung bei kommunalen Direktwahlen für demokratisch und rechtsstaatlich problematisch.

Zusammenfassung der schriftlichen Stellungnahme von Holger Brockmann

Fünf politische Schwerpunkte

Der Ortsverband fasst seine kommunalpolitische Ausrichtung unter dem eigenen Leitsatz „Daseinsvorsorge statt Ideologie“ zusammen. Als wichtigste Themen nennt er Finanzen, medizinische Versorgung, Schulen und Kindertagesstätten, Verkehrswege und wirtschaftliche Infrastruktur sowie Sicherheit und Bevölkerungsschutz.

Finanzen

Pflichtaufgaben und notwendige Investitionen sollen nach Darstellung der AfD Vorrang vor Prestigeprojekten, Förderprogrammen und externen Beratungsleistungen haben.

Medizinische Versorgung

Für Brake fordert der Verband eine verlässliche Notfallversorgung, ein starkes Medizinisches Versorgungszentrum und den Erhalt von Fachpersonal.

Schulen und Betreuung

Genannt werden ausreichende Plätze, intakte Gebäude, verlässliche Betreuung sowie ein stärkerer Fokus auf Sprache, Grundkenntnisse und Berufsorientierung.

Verkehr und Infrastruktur

Bus- und Bahnverbindungen, Schülerbeförderung sowie die Sanierung von Straßen, Brücken und Wirtschaftswegen sollen priorisiert werden.

Küsten- und Hochwasserschutz

Den weiteren Ausbau der Windenergie will die AfD begrenzen. Küsten-, Deich- und Hochwasserschutz sollen hohe Priorität erhalten.

Flüchtlingsunterbringung

Der Verband fordert die Berücksichtigung kommunaler Kapazitäten und eine vollständige Kostenerstattung durch Bund und Land.

Diese Initiativen kündigt die AfD an

Nach einem Einzug in Kreistag und kommunale Räte will der Ortsverband unter anderem ein Versorgungskonzept für Medizin, Rettungsdienst und Notfallversorgung anstoßen. Hinzu kommen eine Aufgaben- und Ausgabenprüfung, eine Prioritätenliste für sanierungsbedürftige Infrastruktur, regelmäßige Berichte zur Schul- und Betreuungssituation sowie mehr Transparenz über Kosten und Kapazitäten der Flüchtlingsunterbringung.

Ob und in welcher Form diese Vorhaben umgesetzt werden können, hängt von den jeweiligen Zuständigkeiten, Mehrheiten und verfügbaren Haushaltsmitteln ab. Konkrete Finanzierungsansätze oder ausgearbeitete Antragsentwürfe wurden der Redaktion bislang nicht vorgelegt.

Zusammenarbeit nach Sachfragen

Kommunale Zusammenarbeit will die AfD nach eigener Darstellung nicht vom Absender eines Antrags, sondern von dessen Inhalt abhängig machen. Vorschläge anderer Parteien und Wählergruppen müssten rechtmäßig, transparent, finanzierbar und für die Wesermarsch sinnvoll sein.

Öffentlich zugängliche Äußerungen und Social-Media-Beiträge der Bewerber würden im Rahmen der Möglichkeiten des Verbandes geprüft. Nachweislich extremistische, menschenverachtende oder verfassungswidrige Aussagen seien mit einer Kandidatur nicht vereinbar. Zu internen Beratungen und personenbezogenen Auswahlentscheidungen äußert sich der Ortsverband nicht.

Fazit der Redaktion

Die AfD Wesermarsch tritt 2026 mit einer breiteren kommunalen Kandidatenaufstellung an, verzichtet aber vollständig auf eigene Bewerber für das Landratsamt und die Bürgermeisterwahlen. Ihre programmatischen Aussagen konzentrieren sich auf klassische kommunale Themen wie Finanzen, Versorgung und Infrastruktur.

Die vorgelegten Positionen bleiben überwiegend auf der Ebene politischer Zielsetzungen. Belastbare Finanzierungsmodelle, konkrete Beschlussvorlagen und eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Landkreis, Städten und Gemeinden fehlen bislang. Für die Kreistagsliste ist die formale Frage nun entschieden: Alle acht Bewerber sind zugelassen. Entscheidend wird damit, welche konkreten Anträge die AfD nach der Wahl einbringt und wie sie deren Finanzierung begründet.